16. Jun 2020   Business Recht Steuer

Zahl der Nachhaltigkeitsberichte steigt in Österreich

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Georg Rogl ©EY Österreich

Studie. Der Anteil der österreichischen Unternehmen mit Nachhaltigkeitsberichten steigt. Die Berichterstattung zum Klimawandel sei allerdings schwach, so EY.

Im Jahr 2019 erfuhr die ganze Welt eine Neuentfachung der Debatte rund um den Klimawandel. Die Organisation „Fridays for Future“ mit ihrer Initiatorin Greta Thunberg brachte das Thema innerhalb kurzer Zeit auf die Tagesordnung der Medien, Regierungen und auch der Unternehmen.

Darüber hinaus beschäftigen sich Unternehmen derzeit mit neuen Regularien und Initiativen, wie dem EU-Aktionsplan zu Sustainable Finance, dem unternehmerischen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen und dem Management der ESG- (Environmental, Social and Governance) -Chancen und -Risiken, so eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens EY über die Nachhaltigkeitsberichterstattung großer, österreichischer Unternehmen.

Gesetze und Öffentlichkeit treiben Unternehmen an

  • Der Anteil der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, ist bereits 2018 aufgrund des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes (NaDiVeG) deutlich gestiegen. 2019 ist der Anteil der Unternehmen mit Nachhaltigkeitsbericht vor allem bei den Top-Unternehmen erneut gewachsen – von 35 auf 42 Prozent.
  • Von den Unternehmen des Prime Market haben 95 Prozent einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, bei den öffentlichen Unternehmen ist ebenso ein Anstieg erkennbar (von 33 auf 38 %).
  • Bei Unternehmen, die dem NaDiVeG unterliegen, ist eine Zunahme der eigenständigen Berichte außerhalb des Lageberichts von 50 auf 56 Prozent zu erkennen. Der Anteil der integrierten Berichterstattung verringerte sich gleichzeitig von sieben auf drei Prozent.

Nachhaltigkeit kann die Investoren locken

„Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist nicht zuletzt durch das NaDiVeG zu einem wichtigen zusätzlichen Entscheidungskriterium für Investoren geworden. Während Finanzergebnisse oft nur eine Momentaufnahme sind, lassen nichtfinanzielle Kennzahlen langfristigere und ergänzende Rückschlüsse auf die Entwicklung eines Unternehmens zu“, so Georg Rogl, Leiter des Bereichs Climate Change and Sustainability Services bei EY Österreich.

Wer Investoren gewinnen möchte, brauche demnach heute eine überzeugende Nachhaltigkeitsberichterstattung und eine Nachhaltigkeitsstrategie für sein Geschäftsmodell. „Der Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ wird zum Synonym dafür, wie sich Unternehmen an globale Megatrends anpassen und zukunftsfähig machen“, so Rogl.

  • Als gängigster Berichtsstandard wurden, wie in den Vorjahren, die Standards der Global Reporting Initiative (GRI) herangezogen. Jedoch finde die Anwendung der „GRI-referenced“-Option mehr Beachtung bei der Erstellung der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ein Anstieg ist sowohl bei den Top-Unternehmen von fünf auf sieben Berichte (15 %) als auch bei den Unternehmen des Prime Market von sechs auf elf Prozent erkennbar.
  • Auffallend hoch ist auch der Anteil der „GRI-referenced“-Berichte bei den NaDiVeG-pflichtigen Unternehmen. Diese Option wurde bereits von 16 Prozent der Unternehmen angewandt, das Jahr davor lag der Anteil noch bei sieben Prozent.
  • Umgekehrt ist der Anteil an Berichten „in Übereinstimmung mit GRI“ bei der verpflichteten Berichterstattung von 49 auf 35 Prozent gesunken.

Anteil extern geprüfter Berichte steigt

Eine deutliche Steigerung des Anteils der extern geprüften Berichte schlage sich vor allem bei den Unternehmen des Prime Market nieder:

  • 2018 unterzogen sich 42 Prozent einer Prüfung, 2019 bereits die Hälfte (50 %).
  • Aber auch bei den Top-Unternehmen (50 %) und den öffentlichen Unternehmen (44 %) stieg der Anteil der geprüften Berichte auf annähernd die Hälfte der erstellten Berichte.
  • Bei den Unternehmen, die nach dem NaDiVeG berichtspflichtig sind, ist der Anteil unverändert deutlich niedriger: Er liegt bei lediglich 27 Prozent.

„Es ist überraschend, dass sich weiterhin lediglich ein Viertel der NaDiVeG-pflichtigen Unternehmen einer externen Prüfung unterziehen. Neben der Sicherstellung der Gesetzeskonformität, dem eingebrachten Expertenwissen und damit verbundenen Blick von außen, bietet eine externe Prüfung die Möglichkeiten neue Erkenntnisse zu erlangen und rechtzeitig auf aktuelle Nachhaltigkeitsthemen, Chancen und Risiken einzugehen und so die Qualität der Berichterstattung zu verbessern“, so Rogl.

Qualitätsmängel bei Berichterstattung zum Klimawandel

Bei der erstmaligen Erhebung der Berichterstattung zum Klimawandel im Prime Market habe sich gezeigt, dass die Mehrheit der dort vertretenen Unternehmen den Klimawandel zwar als wesentlich wahrnimmt (74 %) und Zahlen zu Emissionen berichtet (76 %), die inhaltliche Qualität und Tiefe der Berichterstattung sei jedoch noch nicht sehr weit entwickelt, so EY.

So habe sich weniger als ein Drittel der Unternehmen quantitative Klimaschutzziele gesetzt (31 %) oder indirekte Emissionen aus der Wertschöpfungskette, sogenannte Scope 3 Emissionen, berichtet (29 %).

Einen noch geringeren Teil des Prime Market machen die Unternehmen aus, die sich mithilfe international gängiger Rahmenwerke mit den finanziellen Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäftsmodell auseinandergesetzt haben: Nur zwei Unternehmen haben nach TCFD (Task Force on Climate-related Financial Disclosures) berichtet und nur drei haben sich ein Science Based Target gesetzt.

Innerhalb der drei beleuchteten Sektoren (Real Estate, Finanzdienstleistungen und Industrie) sei die aktuelle Qualität und Tiefe der Berichterstattung nicht ausreichend, um einen quantitativen Überblick über die wichtigsten klimarelevanten Auswirkungen der Geschäftstätigkeiten zu gewinnen.

Integration der SDGs hat sich etabliert

Im Rahmen der Studie wurde auch untersucht, in welchem Ausmaß österreichische Unternehmen die Sustainable Development Goals (SDGs), welche von den vereinten Nationen im Rahmen der „2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung“ definiert wurden, in ihre Berichte einbeziehen.

Der Anteil der Unternehmen, die zu den SDGs berichten, ist deutlich angestiegen. Zwei Drittel der Top-Unternehmen, -Banken und -Versicherungen haben die SDGs in ihre Berichterstattung qualitativ oder quantitativ aufgenommen. Im Vergleich zur Studie 2018 hat sich der Anteil mehr als verdoppelt.

„Bei den Berichterstattungen 2019 sind die SDGs ‚Maßnahmen zum Klimaschutz‘, ‚Hochwertige Bildung‘ und ‚Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum‘ stark in den Fokus gerückt. Bezüglich der Bekennung der Unternehmen zu den SDGs ist zu erwarten, dass sich die Berichterstattung darüber stetig weiterentwickeln wird. Wünschenswert wäre dabei eine vermehrte Verbindung der SDGs mit den unternehmenseigenen Zielen und eine klare Verknüpfung zur Unternehmensstrategie“, so Rogl.

Neue Impulse auf EU-Ebene kommen beispielsweise von der ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) bezüglich der Änderung der Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung, was auch sehr wahrscheinlich Auswirkungen auf die NaDiVeG-Anforderungen hätte.

„Getrieben durch gesetzliche Anforderungen, mediale Präsenz des Themas Klimawandel und weitere Initiativen wird die österreichische Nachhaltigkeitsberichterstattung auch in Zukunft mit zahlreichen Herausforderungen versehen sein. Man darf auch mit Spannung erwarten, ob und wie schnell in Österreich die 21 Maßnahmen im neuen Regierungsprogramm 2020-24 im Bereich Klimaschutz umgesetzt werden“, so Rogl.

 

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