14. Okt 2021   Business Finanz Jobs Recht Steuer

Frauen-Karrieren in Steuerkanzleien: So schneidet KPMG ab

Michael Schlenk ©KPMG

Gender. Frauen machen in Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungskanzleien oft die Mehrheit der Neueintretenden aus. In der Chefetage – unter den Partnern – sind sie dagegen rar. KPMG Audit-Partner Michael Schlenk über den Trend bei KPMG.

Extrajournal.Net: Wie entwickelt sich generell der Frauen-Anteil im Bereich Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung aus Ihrer Sicht? Es heißt oft, dass er deutlich wächst, betrifft das alle Bereiche oder manche besonders?

Michael Schlenk: Wir sehen in all unseren Unternehmensbereichen eine ähnliche Entwicklung mit einem stetig wachsenden Frauenanteil. Wir legen Wert auf diversifizierte Teams mit einem möglichst ausgewogenen Anteil an Frauen und Männern unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Lebensmodellen. Karrieremöglichkeiten bestehen für alle in gleichem Ausmaß. Bei größtmöglicher Flexibilität nehmen wir Rücksicht auf die oft von Frauen übernommene notwendige Betreuung von Kindern. Weiters haben sich Gleitzeitmodelle sowie Überstundenvergütungs- und -abbau-Modelle seit vielen Jahren bewährt.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können in jeder Lebensphase flexible Modelle nutzen. So sind etwa Uni-Absolventinnen und Absolventen am Beginn ihrer Berufslaufbahn oft bereit in längere Arbeitszeiten für den eigenen Karriereweg zu investieren, aber auch um eine höhere Entlohnung zu erzielen. Im Laufe der Berufsjahre verändern sich die Prioritäten, unter anderem durch die Familiengründung. In dieser Lebensphase wollen viele ihre Arbeitszeit reduzieren. Unser Ziel ist es, auf dieses veränderte Bedürfnis Rücksicht zu nehmen und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern individuelle Möglichkeiten zu bieten.

Der Anteil der Frauen, die auch bei Familiengründung im Berufsprozess verankert bleiben, steigt erfreulicher Weise an. Trotzdem entscheiden sie sich nach wie vor in vielen Fällen gegen eine Führungsposition. Dies in der Sorge, Familie und Beruf nicht ausreichend vereinbaren zu können. Als Arbeitgeber ist es uns daher ein Anliegen, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Möglichkeiten, wie sich Beruf und Familie auch in Führungspositionen vereinbaren lassen, aufzuzeigen und anzubieten.

55% Frauenanteil bei Manager*innen, 30% bei Direktor*innen

Wie entwickelt sich der Frauenanteil bei KPMG insgesamt und im Management bzw Partnerebene? Aktuell sind beispielsweise bei KPMG Audit von 29 Partnern 4 Frauen, im Bereich Tax sind es 3 von 26 und im Advisory 3 von 28. Das wären also derzeit etwa 14 Prozent Frauenanteil auf der höchsten Führungsebene.

Insgesamt arbeiten bei KPMG aktuell 47% Männer und 53% Frauen. Der Frauenanteil ist in den letzten Jahren laufend gestiegen. Auf Ebene der Manager und Assistant Manager zum Beispiel beträgt er bereits in etwa 55%, während er auf der Ebene der Directoren nur rund 30% beträgt.

Wir sind uns bewusst, dass wir den Frauenanteil auch auf der höchsten Führungsebene laufend erhöhen müssen und sind aufgrund vieler weiblicher High Potentials zuversichtlich, dass der Anteil weiter steigen wird.

Gibt es spezifische Programme zur Förderung von Frauen bei KPMG?

Bereits seit mehreren Jahren besteht die internationale Plattform KPMG‘s Network of Women (KNOW). Die Ziele der Plattform sind: Das Bewusstsein für Diversität und unterschiedliches Führungsverhalten zu schärfen und weibliche Führungskräfte gezielt darin zu unterstützen, ihre Ambitionen und Karriereziele bei KPMG zu verwirklichen. Dazu finden halbjährlich Veranstaltungen mit einem Impulsvortrag von externen Referentinnen und Referenten und einer anschließenden Diskussionsrunde statt.

Unser Business-Mentoring-Programm wurde im Jahr 2018 ins Leben gerufen. Dieses Programm richtet sich an weibliche High Potentials und hat zum Ziel, Frauen in unserem Unternehmen zu fördern und ihre Anzahl in Führungspositionen zu erhöhen. Seither haben über 50 Teilnehmerinnen am Programm teilgenommen. Um eine Weiterentwicklung sicherzustellen, wird auf die jährlichen Erkenntnisse der Mentees und Mentorinnen gesetzt.

Weiters besteht das WOW („World of Women“) -Netzwerk, eine Initiative von Mitarbeiterinnen für Mitarbeiterinnen, die den Fokus auf weitere verstärkte Vernetzung aller Frauen innerhalb unseres Unternehmens legt, unabhängig vom Karrierelevel oder Unternehmensbereich.

Im Interview

Mag. Michael Schlenk ist Partner (Audit) bei KPMG Austria.

Serie Gender & Diversity

Dieses Interview ist Teil einer Serie zum Thema Gender & Diversity in den Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzleien. Siehe auch: Interview mit Harald Breit, CEO von Deloitte Österreich

 

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