23. Sep 2021   Business Finanz Jobs Recht Steuer

Frauen-Karrieren in Steuerkanzleien: „Deloitte will ausbauen“

Harald Breit ©Deloitte / feelimage

Gender. Frauen machen in vielen Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungskanzleien bereits mehr als die Hälfte der Neueintretenden aus. Bei Big Four-Multi Deloitte ist derzeit rund ein Drittel der Führungskräfte weiblich. Es sollen mehr werden, sagt Österreich-CEO Harald Breit im Interview.

Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht der Frauen-Anteil im Bereich Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung generell? Nimmt er zu – allgemein und bei Ihnen im Unternehmen?

Harald Breit: Der Frauenanteil unter den Mitarbeitenden ist in der Beratungsbranche generell hoch, so auch bei Deloitte. in den letzten Jahren wird der Steuerberater-Beruf immer weiblicher. Aktuell rekrutieren wir bei Berufseinsteiger*innen zu zwei Dritteln Frauen. Insgesamt sind rund 60 Prozent unserer Mitarbeiter*innen im Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsbereich Frauen.

Wie groß ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei Ihnen derzeit? Beispielsweise hat die Deloitte Audit Wirtschaftsprüfungs GmbH 24 Geschäftsführer, davon sind drei weiblich, also 12,5 Prozent. Dagegen sind es im Financial Advisory 5 von 13 (39%). Und Deloitte Tax, der laut Geschäftsbericht größte Bereich, hat 7 Geschäftsführerinnen von 28 – ein Viertel. Wie groß ist der Anteil weiblicher Führungskräfte bei ganz Deloitte Österreich?

Harald Breit: Wir freuen uns darüber, dass sich der hohe Frauenanteil in den jungen Arbeitsgenerationen auch immer stärker in den Führungspositionen zeigt. Aktuell ist ein Drittel unserer Top-Führungspositionen mit Frauen besetzt. Das ist allerdings kein Selbstläufer, sondern bedarf auch eines starken Bekenntnisses des Unternehmens zu Diversität und Gleichstellung.

Der Wirtschaftstreuhandberuf ist zeitlich sehr fordernd und Führungsaufgaben werden in der Regel zusätzlich zur Klientenarbeit übernommen. Die Frauen bei Deloitte sind mit denselben Rahmenbedingungen konfrontiert, mit denen berufstätige Frauen und weibliche Führungskräfte in Österreich zu kämpfen haben – zu wenig Kinderbetreuungseinrichtungen für die Kleinsten, Halbtagesschulen sowie traditionelle Rollenbilder.

Als Unternehmen arbeiten wir intensiv daran, Frauen auf dem Weg zu und in Führungspositionen zu unterstützen, zu ermutigen und Rahmenbedingungen für Karriere zu schaffen.

„Arbeiten intensiv daran, Frauen zu unterstützen“

Bieten Sie spezielle Programme zur Förderung von Frauen?

Deloitte hat 2019 weltweit und auch in Österreich das professionelle Programm ALL IN ins Leben gerufen, das eine Vielzahl an Maßnahmen zur Förderung von Diversität umfasst. Wir wollen unsere Belegschaftsstruktur auch in den Führungsebenen abbilden – dafür gibt es klare Zielvorgaben und ein Controlling, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen.

Karrierechancen bei Deloitte sollen für Frauen und Männer gleichermaßen fair, transparent und attraktiv sein. Nur durch gelebte Diversität gewinnen wir langfristig Top-Talente und ermöglichen Innovationen.

Wo sehen Sie mögliche Gründe dafür, dass der Anteil der Frauen in Führungspositionen in der Branche oft eher gering ist? Zeigt sich hier eine Änderung, was Berufseinsteiger betrifft?

Der Beruf des Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers ist historisch gesehen männlich konnotiert, jedoch ist das schon lange nicht mehr zeitgemäß. Die Zahl der Absolventinnen in diesem Bereich steigt seit Jahren und viele unserer größten Talente sind weiblich. Wir nehmen auch verstärkt klare Karrierewünsche unserer Mitarbeiterinnen wahr – das ist ein gutes Zeichen, denn für eine erfolgreiche Karriere braucht es neben entsprechenden Rahmenbedingungen gerade auch Mut und Selbstbewusstsein.

Im Interview

Harald Breit ist CEO bei Deloitte Österreich.

Serie Gender & Diversity

Dieses Interview ist Teil einer Serie zum Thema Gender & Diversity in den Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzleien. Siehe auch: Interview mit Michael Schlenk, Partner Audit bei KPMG Österreich

 

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