08. Mrz 2022   Bildung & Uni Business Recht Tools

„Gendern“ von Texten: Was die Unis derzeit empfehlen

Uni Innsbruck ©Birgit Pichler

Binnen-I vs. Asterisk. Geschlechtergerechte Sprache kann eine Herausforderung sein, gerade wenn es einheitlich sein soll: Heißt es StudentInnen, Student*innen, Student:innen, Student_innen, Student/-innen oder einfach nur Studierende? Ein Rundruf unter den größten österreichischen Unis über Gendern in der Praxis.

Geschlechtergerechte Sprache ist gerade am Weltfrauentag (8.3.) ein wichtiges Thema. Doch bei der Umsetzung in der Praxis stellt sich die prosaische Schwierigkeit, zwischen den verschiedenen Varianten wählen zu müssen, denn einheitliche Regeln dafür gibt es nicht.

Die üblichen Verdächtigen schweigen

Gesetzgeber und Sprachforscher begnügen sich derzeit meist mit einer Beschreibung der verschiedenen möglichen Formen, von Binnen-I bis Asterisk „*“.  Und die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen, die eine beträchtliche Kraft des Faktischen ausüben könnten, haben bei einer Tagung im Jahr 2021 offiziell auf die Setzung von Leitlinien für sich (und damit die Medienlandschaft) verzichtet. In der Praxis bleibt die Auswahl also jeder Userin und jedem User anheimgestellt, was mitunter zu einem bunten Nebeneinander der verschiedenen Schreibweisen führt – manchmal sogar in ein- und demselben Text. Schlimmstenfalls leidet dann die Usability darunter, um es einmal technisch auszudrücken.

Eine besondere Rolle kommt allerdings zunehmend Österreichs Universitäten zu: Sie sind per Definition geistige Brennpunkte des Landes und gleichzeitig schon jetzt in ihrer öffentlichen Kommunikation recht stark „gegendert“. Ein Rundruf unter einigen der größten österreichischen Universitäten soll die Frage beantworten, wie die Unis mit der Praxisfrage des Genderns umgehen. Gleich vorweg: Auch hier zeigt sich der Trend zur Buntheit, allerdings mit erkennbaren Vorlieben in Sachen Asterisk, auch Gender* genannt.

Uni Graz will noch inklusiver werden

„An der Uni Graz beschäftigen uns ganz intensiv mit dem Thema“, so ein Sprecher, der auf das eigens eingerichtete Online-Portal zum Thema Diversität verweist. Eine generelle Festlegung, welche Methode der kommunikativen Inklusion gewählt werden soll, gebe es an der Uni Graz noch nicht. In der öffentlichen Kommunikation der Uni verwende man momentan (noch) das Binnen-I.

Uni Graz Hauptgebäude ©Uni Graz / cp-pictures

Daran könnte sich freilich in absehbarer Zeit freilich etwas ändern, man will auf eine noch inklusivere Schreibweise wechseln, heißt es.

WU Wien bleibt im Leitfaden „fair und inklusiv“

Es gibt an der WU den „Leitfaden – fair und inklusiv“, in dem über geschlechtergerechte Sprache informiert wird, teilt die Wiener Wirtschaftsuni mit: „Generell versuchen wir an der WU, geschlechtsneutrale Formulierungen zu verwenden (Studierende, Lehrende etc.)“, so eine Sprecherin.

©WU Wien

Während es an der WU keine strikte Vorgabe gibt, welche Form geschlechtergerechter Sprache verwendet werden muss, sei es aber selbstverständlich, eine Form zu verwenden – geschlechtergerechte Sprache ist auch in der Satzung der WU verankert. „Derzeit wird in den meisten Abteilungen der Gender* bevorzugt“, so die Sprecherin. Der Leitfaden der WU ist hier zu finden.

Uni Wien empfiehlt den * oder die Neutralität

Auch die Universität Wien bekennt sich in ihrem Online-Leitfaden zum geschlechterinklusiven Sprachgebrauch. Welche Form der geschlechterinklusiven Sprache verwendet werden soll, ist an der Universität Wien nicht vorgeschrieben. Empfohlen wird allerdings der Gender-Stern (Asterisk, *).

©ejn

Grundsatz des geschlechterinklusiven Formulierens ist laut Leitfaden, dass alle Geschlechter genannt werden, die gemeint sind. In manchen Fällen können der Einfachheit halber auch geschlechtsneutrale Bezeichnungen (z.B. Studierende, Lehrende) gewählt werden, heißt es.

Uni Innsbruck betont die Vielfalt

Die Universität Innsbruck betont in ihrem Leitbild den Wert der „Vielfalt von Biografien, Ideen, Lebens­entwürfen, Meinungen und Methoden“. Entsprechend werden die Mitarbeiter*innen auch für die Verwendung einer geschlechterinklusiven Sprache sensibilisiert, heißt es. „Welche Form verwendet werden soll, wird durch die Universität nicht zentral vorgeschrieben“, so ein Sprecher: „Aus mehreren Gründen empfehlen wir vonseiten des Kommunikationsteams die Verwendung des Gender-Sterns.“

 

    Weitere Meldungen:

  1. Alexander Milla ist jetzt Anwalt bei Hasch und Partner
  2. RAK Wien setzt auf Straßenbahn und Schul-Aktionen
  3. „Wise Women of WU“ als Karriere-Boost für Frauen
  4. Warum Gendern bei Google schadet – und was dagegen hilft