„Mit Tech MBA können Betriebswirte und Juristen mitreden“

Wolfgang Güttel ©TU Wien

Postgraduate. Mit ihren neuen „Tech MBA“-Programmen will die TU Wien auch Nicht-Technikern das Know-how zur Mitsprache auf Betriebsebene vermitteln, sagt Dean Wolfgang Güttel im Interview. Und Techniker? „Die erhalten ein Update.“

Extrajournal.Net: Was war die Idee hinter dem Tech MBA-Programmangebot, welche Zielgruppen sprechen Sie damit an?

Wolfgang Güttel: Wir wollen mit unseren Tech MBA Programmen zwei verschiedene Zielgruppen ansprechen, die beide für uns sehr wichtig sind. Da sind einerseits technisch oder naturwissenschaftlich ausgebildete Führungskräfte, die die klassischen Inhalte eines MBA brauchen. Ein Vorteil unserer Programme ist dabei, dass wir 9 aus 45 Tagen dem Thema Leadership widmen, das zeichnet uns aus. Wir erachten dieses Thema als sehr wichtig, mit diesem hohen Anteil heben wir uns wirklich von anderen Anbietern ab. Natürlich gibt es auch einen klassischen Management-Teil, bis hin zu Finanzierung und Controlling. Und aufbauend gibt es dann unsere verschiedenen Spezialisierungen. Diesen Pfad bieten natürlich auch andere, wir verstehen als TU Wien die Techniker*innen aber besonders gut.

Die zweite Zielgruppe sind Betriebswirte, Juristen und andere Personen abseits der technischen Ausbildungswege. Die brauchen zwar auch Leadership und Management, aber dann eben eine Vertiefung im branchen- oder themenspezifischen technischen Know-how. Hier kommen wiederum unsere verschiedenen Spezialisierungen ins Spiel, beispielsweise Automotive: Das ist ein Wirtschaftszweig, der gerade im D/A/CH-Raum enorm große Bedeutung hat.

„Wir zeigen wohin sich die Branche auf technischer Ebene entwickelt“

Wie weit geht dieses technische Know-how? Reicht es für den technischen Einsatz in der Praxis, oder ist es zur Mitsprache gedacht?

Wolfgang Güttel: So ist es: Wir vermitteln die technologische Mitsprache-Kompetenz. Unsere Teilnehmer sollen sehen, worum es in ihrer Branche auf der technischen Ebene geht, wohin sie sich entwickelt, usw. Ein Beispiel ist unser MBA Mobility Transformation. Hier geht es etwa darum, wie sich die Prämissen beim öffentlichen Verkehr vs. Invidualverkehr verschieben und von welchen technischen Gegebenheiten das ganz wesentlich abhängt.

Für die technische Anwendung reicht ein Tech MBA dagegen noch nicht, dafür bieten wir die Master-Kurse (Master of Science, MSc) an. Ein Tech MBA baut dagegen die Brücke in die Technologiefelder hinein, aufbereitet für Nicht-Techniker. Oder auch für Techniker, die sich grundsätzlich bereits auskennen und bloß ein Update in ihrer Branche brauchen. Ein großer Vorteil unserer MBA-Programme ist ja auch, dass man sich dabei mit Gleichgesinnten austauschen kann. Auch das ist ein wichtiger Aspekt.

Wie lange gibt es die Tech MBAs jetzt schon?

Wolfgang Güttel: Als Überbegriff seit September, als Einzelfall wesentlich länger: Der Automotive MBA ist nun schon seit einem Jahrzehnt in unserem Programm. Seit Herbst 2020 haben wir den MBA Mobility Transformation und nun bauen wir um die bestehenden Kurse herum das Angebot unter den Überbegriff Tech MBA sukzessive aus. Geplant ist ein MBA Operations Management, da ist der Zeithorizont Herbst 2022, ebenso wie ein neuer MBA Facility Management. Im Jahr 2023 wird voraussichtlich ein MBA Artifical Intelligence folgen. Wir planen u.a. auch einen MBA Technology and Sustainability in Finance.

Wie oft werden die einzelnen MBA-Programme starten und wie viele Teilnehmer erwarten Sie pro Kurs?

Wolfgang Güttel: Wir möchten 12 bis maximal 20 Personen pro Spezialisierung haben, und auf Basis der bisherigen Anmeldungen für die neuen Kurse sieht es nach einer Punktlandung aus. Wenn alle Programme laufen, sollen dann jedes Jahr immer 6 MBAs im März und 6 MBAs im Oktober starten, also je die Hälfte pro Semester. Und zwar durchgehend im Präsenzunterricht. Auch derzeit, in der Coronakrise, haben wir nicht auf Fernunterricht umgestellt, unsere Postgraduate-Kurse finden – natürlich unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorkehrungen – alle in Präsenz statt. Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommt das gut an, das Feedback ist sehr positiv.

Im Interview

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang H. Güttel ist Dean der TU Wien Academy for Continuing Education.

 

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